28.2.10

Rudolf Steiner – der große Eigeweihte

Anthroposophen wertschätzen das Werk Steiners und auch seine Person - manchmal ausgesprochen, oft unausgesprochen. Meist geschieht das intern. Nach außen verhält man sich bedeckter.


Schon wenn sie gefragt wurden, ob sie Anthroposoph wären, begannen sich fast alle Anthropsophen, bei denen ich das erleben konnte, merkwürdig unklar auszudrücken. Sie wollten sich nicht festlegen und auch nicht festlegen lassen: Man wäre es noch nicht so richtig, man strebe an, es zu werden...

Selbstverständlich sollte man auf diese Frage nach außen hin eine eindeutige und klare Antwort geben.


Wie man aber zu Rudolf Steiner selbst steht, welche Wertschätzung man ihm zukommen lässt, das kann man der Welt gegenüber nicht in der gleichen Deutlichkeit vertreten, da die Welt das heute nicht verstehen und aufnehmen kann. Die Größe der Individualität, die in der Person Rudolf Steiners auftrat, übersteigt alles, was die Welt verkraftet. Hier wird man immer eher mit bescheidenen Begriffen antworten.


Intern aber sollte man durchaus viel offener und klarer darüber sprechen. Wohl mag es selbst für ein normales Zweigmitglied schwer sein, die Größe dieser Individualität zu ermessen und sich ohne Vorurteile zu ihr zu stellen. Wer aber den Schulungsweg im Sinne von „Wie erlangt man...“ beschreitet, wer meditiert oder Hochschulmitglied ist, der wird es auch üben, die kosmische Größe Rudolf Steiners zu erkennen.


Von Sergej Prokofieff weiß ich, dass er immer wieder besonders deutlich Stellung zur Größe Rudolf Steiners genommen hat. Außerdem ist vor einiger Zeit ein Buch von Mieke Mosmuller erschienen „Der lebendige Rudolf Steiner“, in dem sie in ganz individueller, klarer, erkenntnismäßiger Art sich Rudolf Steiners eigentlichem Wesen nähert und klar Stellung bezieht. Sie spricht vom „Meister des Abendlandes“. Damit hat sie einen angemessenen Begriff gewählt:

„Mir wird vorgeworfen, ich sei eine Verehrerin von Rudolf Steiner. Ich bin aber hierin ein freier Mensch, der in dieser Freiheit die Größe dieses Mannes erkannt hat, aus den Wirkungen seiner Arbeit. Ich habe es nicht nötig, mich für ihn zu entschuldigen, mich für meine Begeisterung zu schämen oder sein Wissen als Dogma aufzunehmen. Sein Wissen beweist sich selbst, indem es in uns lebendig werden kann.“ (S.39)

Solche Worte schreibt auch nur ein wirklich freier Mensch nach gründlicher anthroposophischer Arbeit. Das ganze Buch ist eine bisher einmalige Schrift aus anthroposophischem Geiste heraus entwickelt.


Mit dem intellektuellen Denken wird man an die Individualität Steiners schwer herankommen, auch nicht durch historische und biographische Studien. Im Studium seines Werkes durch Erweckung einer starken Herzensgefühls und im Willen um die Verwirklichung von Anthroposophie im praktischen Leben kann man sich ihr nur nähern.


Eine Übung könnte der hingebungsvolle Geisteschüler schlicht und einfach einmal versuchen: Stelle dir in dir selbst vor, wo du Rudolf Steiner geistig finden kannst. Versuche ihn räumlich und gestaltmäßig zu finden, so als wäre er als Geistwesen auch heute auffindbar.


Falls Sie als Leser dieser Zeilen diese Übung einige Male versucht haben, würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir darüber einige Zeilen schreiben könnten – als Erfahrungsaustausch an: kontakt.zum.autor@arcor.de