29.7.11

Das war wirklich die Überschrift in der Zeitung:


"Die Blondhaarigen und die Neger"


Heute fand ich diesen Zeitungsartikel in der Braunschweiger Zeitung vom Samstag, 08.09.2007 wieder. Das sog. Interview fand damals telefonisch statt. Es ist etwas Furchtbares, wie Journalisten die Aussagen färben können und man sich dadurch ganz verzerrt dargestellt findet. Aber dennoch kann man Interviews nicht vermeiden. Gibt man sie nicht, steht die Sache noch schlechter da :

"War Rudolf Steiner Rassist? – Keine Indizierung, aber der Streit um den Gründer der Waldorf-Schule geht weiter
Von Martin Jasper
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Dunkelhäutige Menschen waren Rudolf Steiner nicht geheuer. Sie saugten alles Licht und alle Wärme aus dem Weltraum auf, vermutete er. Neger hätten ein starkes Triebleben, denn "im Neger wird da drinnen fortwährend richtig gekocht."


Entsetzt ist Steiner, als er in einer Basler Buchhandlung einen "Negerroman" entdeckt. Zwar sei er "greulich langweilig", aber doch gefährlich. Und nun entwickelt der Begründer der Anthroposophie ein originelles Szenario für den Untergang des Abendlandes: "Wir geben diese Negerromane schwangeren Frauen zu lesen, da braucht gar nicht dafür gesorgt zu werden, dass Neger nach Europa kommen, damit Mulatten entstehen: da entstehen durch rein geistiges Lesen von Negerromanen eine ganze Anzahl von Kindern in Europa, die ganz grau sind, Mulattenhaare haben, die mulattenähnlich aussehen werden."

Sorgen bereitet das dem weißen Mann, denn: "Die Menschen würden ja, wenn die Blondhaarigen und Blauäugigen aussterben, immer dümmer werden."

Zwischentitel:"Er schwimmt mit im rassistischen Denken"

Nun könnte man derlei Überlegungen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als längst vergessene Kruditäten abtun. Doch im Geiste Rudolf Steiners werden bis heute die Waldorfschulen geführt, werden Heranwachsende unterrichtet.

Der Streit um den angeblichen oder tatsächlichen Rassismus Steiners ist nicht neu. Doch nun hat sich das Bundesfamilienministerium eingeschaltet. Es stellte bei der Bundesprüfstelle den Antrag, zwei Bücher Steiners auf den Index jugendgefährdender Schriften zu setzen.

Die Prüfstelle folgte dem Antrag nicht. Bestimmte Passagen seien durchaus als "rassistisch" zu werten, sagte deren stellvertretende Vorsitzende Petra Meier. Der betroffene Verlag habe aber zugesagt, diesen Bedenken Rechnung zu tragen und die Bücher durch kommentierte Neuauflagen zu ersetzen.

Beendet ist der Streit damit freilich nicht. Helmut Zander, Professor an der Berliner Humboldt-Universität, der eine wissenschaftliche Untersuchung zur Geschichte der anthroposophischen Bewegung verfasst hat, ist zwar gegen die Indizierung Steiners. Aber er fordert, dass sich die Anthroposophen endlich kritisch mit dessen Lehre auseinandersetzen müssten:

"Er ist auch in der Evolutionslehre ein Kind des 19. Jahrhunderts. Er schwimmt in diesem Typus des rassistischen Denkens mit. Er hat geglaubt, dass sich die Menschen von einem sehr primitiven Zustand empor entwickeln. Und dabei gibt es in seiner Vorstellung eben degenerierte Rassen und solche, die diese Entwicklung nicht mitgemacht haben. Das halte ich für keinen Ausrutscher, sondern für einen zentralen Teil seiner Weltanschauung."

Zugunsten der Anthroposophen merkt Zander aber an, dass dies Gedankengut bei ihnen nicht wie im völkischen Milieu zur zentralen Botschaft gemacht worden sei. "Gleichwohl tun sie sich schwer, sich davon zu distanzieren."Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, fordert zur Distanzierung auf. Denn noch gehöre Steiner mit all seine Facetten zur pädagogischen Grundlage der Waldorfschulen.

Zwischentitel "Diese Aussagen waren nie Thema im Unterricht"

Dies bestreitet Dieter Centmayer entschieden. Der Braunschweiger Waldorf-Pädagoge erklärt: "Die Zitate stammen aus ganz abgelegenen Vortragswerken Steiners, die niemand mehr liest. Sie kommen weder in der Lehrerausbildung noch im Waldorf-Unterricht vor. Die Aussagen über Rassen sind nicht und waren nie Inhalt des Unterrichts."

Man müsse Steiners umstrittene Äußerungen aus der Zeit heraus begreifen: "Vor 100 Jahren sprach man eben noch ganz anders über Afrikaner, Asiaten oder Indianer. Heute würde er gewiss nicht mehr so reden."

Centmayer vergleicht das mit Martin Luther: "Wenn man aus heutiger Perspektive liest, was der über jüdische Menschen gesagt hat, dann gehörte die evangelische Kirche verboten!"

In Steiners Riesenwerk gebe es sehr viel häufiger Stellen, in denen er erklärt, in Zukunft gäbe es die Frage der Rassen und Nationen gar nicht mehr. "Das sind bei ihm nur noch Reste einer alten Menschheitsentwicklung. Die Menschheit ist in seiner Sicht auf dem Weg, sich zur Einheit und Gleichwertigkeit zu entwickeln."