27.11.10

Über Ernährung und Temperamente./3

Teil 1:http://orioniden.blogspot.com/2010/11/folgende-unveroffentlichte-vortrags.html
Teil 2:http://orioniden.blogspot.com/2010/11/uber-ernahrung-und-temperamente2.html

Teil3:
Während der Zeit des geistigen Strebens ist es ganz besonders wichtig, dass der Mensch recht mäßig lebt. Mäßigkeit läutert die Gefühle, erweckt die Fähigkeit, erheitert das Gemüt und stärkt das Gedächtnis. Die Seele wird durch dieselbe fast ihrer irdischen Last enthoben, genießt dadurch eine höhere Freiheit, ‑ so sagt
schon ein alter Weiser ‑. Würde der Mensch viel und oft essen, er könnte keine fruchtbringenden Gedanken erzeugen. Denn nimmt die Verdauung sehr viel Kraft in Anspruch, dann bleiben keine Kräfte übrig für die Denkfähigkeit. Gerade Menschen, welche die Welt mit den Produkten ihres Geistes erfüllten, haben bei sehr spärlicher Kost gelebt. Schiller, Shakespeare, viele unserer Dichter, denen wir herrliche Werke verdanken, haben sich durch schwere Entbeh rungen hindurchgearbeitet. Der Geist ist niemals so klar wie nach langem Fasten. Auch in der Geschichte religiöser Orden und in den Lebensbesehreibungen der Heiligen findet man zahlreiche Beispiele von den Wirkungen eines enthaltsamen Lebens. Die größten Heiligen lebten nur von Früchten, Brot und Wasser und kein wunderwirkender Heiliger wäre bekannt, der bei einem opulenten Mahl göttliche Kräfte in Wirksamkeit setzte. Auch all die großen Weisen des Altertums waren berühmt durch ihre Mäßigkeit.

Wenn nun der Mensch weiter geht in seinem geistigen Streben, wenn in das Ich immer mehr die Gesetze des Wahren und Guten fließen, wenn die Strahlen der großen Geistessonne immer mehr das Ich durchfluten und durchleuchten, dann beginnt die bewusste Bearbeitung des Lebens‑ oder Aetherleibes. Die urewige Wesenheit des Menschen, das was von Verkörperung zu Verkörperung geht, das lebt sich in jeder neuen Verkörperung so aus, dass es eine gewisse Wechselwirkung der 4 Glieder der menschlichen Natur hervorruft und aus dem, wie diese Glieder zusammenwirken, entsteht das Temperament des Menschen. Je nachdem sich das eine oder das andere dieser Glieder besonders hervortut, je nachdem tritt uns der Mensch mit diesem oder jenem Temperament entgegen. Ob die Kräfte des einen oder des anderen ein Übergewicht haben, davon hängt die eigentümliche Färbung der Menschennatur ab, das was wir die Färbung des Temperamentes nennen. Man unterscheidet vier Haupttemperamente, das CHOLERISCHE, SANGUINISCHE, PHLEGMATISCHE und MELANCHOLISCHE. Dieselben sind bei den einzelnen Menschen in der mannigfaltigsten Weise gemischt, so dass man nur davon sprechen kann, dass dieses oder jenes bei einem Menschen vorherrscht. Wenn nun der Mensch an sich arbeitet, darin bringt er Harmonie, Ordnung, Gleichmäßigkeit in diese Temperamente. Wohl werden bei der Bearbeitung der Temperamente geistige Übungen die Hauptsache sein, doch wird es auch hier nicht unwesentlich sein, wie der Mensch sich ernährt. Wenn bei einem Menschen das physische Prinzip vorherrscht, so wird dies oft eine Art Hindernis in der Entwicklung. Der Mensch muss aber Herr seines physischen Leibes sein, wenn er ihn gebrauchen will. Der Mensch ist nicht fähig sein Instrument vollständig zu gebrauchen, so dass die anderen Prinzipien eine Hemmung erfahren und Disharmonie entsteht zwischen dem physischen Leib und den anderen Gliedern.

Wenn nun der MELANCHOLIKER an sich arbeitet, dann soll er nur Nahrung genießen, die ganz nahe an der Sonne wächst, die weit weg von der Erde gedeiht, die an der vollen Sonnenkraft gereift ist und das wäre Obstnahrung. So wie durch geistige Übungen die geistige Sonne einen Menschen durchglüht und durchleuchtet, so sollte im Physischen durch die Sonnenkräfte, die in der Obstnahrung enthalten sind, das Verfestigende und Erstarrende im Melancholiker durchsetzt und durchwebt werden.

Beim PHLFGMATIKER, wo der Aetherleib vorherrschend ist, der einzelnen Funktionen im Gleichgewicht hält, wo das in sich gestützte Innenleben das innere Behagen erzeugt und der Mensch in diesem inneren Behagen vorzugsweise lebt, so dass er sich so recht wohl fühlt, wenn in seinem Organismus alles in Ordnung ist und gar nicht geneigt ist, sein inneres Interesse nach außen zu richten oder gar ein starkes Wollen zu entwickeln, solch ein Mensch sollte Nahrung zu sich nehmen, die nicht unter der Erde wächst. Ganz besonders nicht die Nahrungsmittel, deren Gedeihen oft zwei Jahre in Anspruch nimmt, bis sie an die Erdoberfläche kommen z.B. Schwarzwurzeln. Die sollte ein Phlegmatiker nicht genießen. Das Samenkorn dieser Pflanze braucht so lange bis es sich der äußeren Kräften erschließt und auch beim Phlegmatiker muss manches durchgearbeitet sein bis er tätigen Anteil nimmt an der Außenwelt. Das Prinzip dieser Pflanzen würde nur deine innere Behaglichkeit noch vermehren.

Beim SANGUINIKER, wo das Vorherrschende des Astralleibes da ist, wo der Mensch ein Interesse hat für einen Gegenstand, ihn aber bald wieder fallen lässt, wo das Schnellentflammtsein und das rasche Übergehen zu einem anderen Gegenstand sich zeigt, so sollten sogar Wurzelgemüse gewählt werden. Man könnte beinahe sagen, ein Sanguiniker muss sogar durch die Nahrung an das Physische gefesselt werden, sonst könnte ihn seine Leichtbeweglichkeit zu weit führen. Also hier sind die Gemüse, die unter der Erde gedeihen, sogar sehr anzuraten.

Wenn das Ich das Vorherrschende ist, wenn das Ich mit seinen Kräften besonders wirkt, und die anderen Glieder der menschlichen Natur beherrscht, dann entsteht das CHOLERISCHE Temperament. Der Choleriker muss sich vor allen Dingen vor erhitzenden und erregenden Speisen hüten, alles Reizende, stark gewürzte Speisen sind für ihn von größtem Schaden.

Man sollte wohl annehmen, dass bei einer Höherentwicklung das Temperament keine große Rolle mehr spielt und dass auch die Ernährung keinen Einfluss mehr hat. Auf der Meisterschaftsstufe ist das wohl der Fall, denn der Meister bedarf keiner festen Nahrung; ebenso wird ihn auch das Temperament nicht mehr beeinflussen oder beherrschen. Aber er wird die Temperamente benutzen zur Wirksamkeit in der physischen Welt. Das cholerische Temperament nimmt er zur Ausübung seiner magischen Handlungen, die Ereignisse und Begebenheiten der physischen Welt lässt er vorüberziehen wie ein Sanguiniker; im Lebensgenusse wird er sich ver halten wie ein Phlegmatiker, und über seinen geistigen Erkenntnissen wird er brüten wie ein Melancholiker. Bis wir aber dahin gelangen, hat es noch eine kleine Weile Zeit !

Wir sollten versuchen, unser ganzes Leben in Einklang zu bringen mit unserem geistigen Streben. Nicht nur eine kleine Zeit des Tages unseren Idealen gemäss leben, sondern unsere Beschäftigungen danach einteilen, unsere Genüsse in dem Sinne wählen und selbst unsere Ernährung so regeln und dahin wirken, ein harmonischer, in sich feststehender Mensch zu werden, um sich dann im Leben nach besten Kräften betätigen zu können.

Das Leben schenkt uns nichts, es muss alles errungen werden. Hierher gehört das schöne Goeth’sche Wort:

„Ein ernstes Wollen, ein beharrlich Streben
Führt einzig dich ans Ziel. Das Glück,
Kein bloßer Zufall ist es, und das Leben
Gibt nur, was du ihm gabst, zurück.“

(Ende)